Wasser in der Wohnung

Angeblich soll in Moabit der Milieuschutz verhindern, dass MieterInnen aus ihren Wohnungen heraus geekelt oder offiziell gekündigt werden. Eine Luxussanierung ist untersagt. Doch wie das so ist mit Verboten: solange es keine Sanktionen bei Nichtbeachtung gibt, macht man es einfach weiter, wie man will.

Diesen Eindruck haben auch die MieterInnen der Rathenower Str. 23, die einen Ausverkauf ihres in Eigentumswohnungen zerlegten Hauses fürchten. Bereits vor zwei Jahren protestierten sie mit Transparenten gegen die Pläne des damaligen Eigentümers. Dieser hat zwar zwischenzeitlich durch Weiterverkauf gewechselt, aber die Baumaßnahmen schreiten nun voran.
So wurde den Mietern des Hinterhauses vor kurzem mit Getöse das ganze Dachgeschoss über dem Kopf abgerissen, weil dort eine luxuriöse Wohnetage hingebaut werden soll. Es wurde danach zwar Teerpappe ausgelegt, doch schon bei mittlerem Regen war diese nicht dicht.
So tropfte das Wasser in vier Räumen durch die Decke. Notrufnummern der Hausverwaltung Schön & Sever sind offenbar nachts nicht besetzt und sogar ohne Anrufbeantworter, sodass die MieterInnen zwischenzeitlich Eimer aufstellen mussten, um das Regenwasser aufzufangen.
Inzwischen wurde am „Notdach“ (= Wohnungsdecke) nachgebessert. Der nächste Regen wird das Ergebnis zeigen…

Die MieterInnen haben immer mehr das Gefühl, dass sie aus dem Haus gedrängt werden sollen, um Platz zu machen für spätere solvente WohnungskäuferInnen. In dem Haus leben viele Menschen, die hier seit Jahrzehnten fest verankert sind. Eine Familie bereits seit über hundert Jahren! Dies ist für den Vermieter natürlich nicht attraktiv, denn Bestandsmieter bringen weniger Geld und blockieren v.a. den Verkauf der hochprofitablen Eigentumswohnungen. Das “Vorkaufsrecht” der MieterInnen ist natürlich nur pro forma, denn einen Kauf ihrer Wohnung können sich dort die allerwenigsten leisten.

Es war nun an der Bauaufsicht des Bezirks, sich die Methoden im Haus Rathenower Str. 23 genauer anzuschauen und wo notwendig gegenzusteuern. Aber sie findet anscheinend alles zulässig und in Ordnung. Einer der betroffenen Mieter hat bereits angekündigt, notfalls Strafanzeige wegen grob fahrlässiger Gefährdung seines Eigentums und Nichteinhalten von Bauvorschriften zu stellen. Auch Mietminderung wurde bereits angekündigt, was jedoch, wie so oft, einen Rechtsstreit mit dem Vermieter nach sich ziehen könnte.

 


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