Frauenstraßen

Nicht nur Adlige ehren, sondern auch das normale Volk

In Moabit werden – wie überall in Berlin – mit Straßennamen vor allem Männern geehrt. Viele der neu angelegten Straßen im Umfeld des Hauptbahnhofs und der Heidestraße wurden in den vergangenen Monaten und Jahren jedoch nach Frauen benannt. Und es sind nicht nur die üblichen Verdächtigen, also Politikerinnen oder Adlige, sondern auch ganz normale Menschen wie die Moabiter Kiezmutter oder Frauen, die gegen die Nazis gekämpft oder Juden versteckt haben.
In Moabit erinnern 24 Straßennamen an Frauen:

Agnes von Zahn-Harnack
1884 – 1950. Schriftstellerin und bürgerliche Frauenrechtlerin. Ihr Bruder Ernst von Harnack wurde 1945 als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus hingerichtet, ebenso wie ihr Cousin Arvid Harnack und dessen Frau Mildred zwei Jahre zuvor.

Alice Berend
1875 – 1938. Schriftstellerin. Ihre Werke wurden von den Nationalsozialisten auf die “Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums” gesetzt.

Bertha Benz
1849 – 1944. Pionierin des Automobils. Schuf die Voraussetzungen für die Erfindung des Benz-Patent-Motorwagens durch ihren Mann Carl Benz.

Claire Waldoff
1884 – 1957. Volkssängerin, Kabarettistin, Schauspielerin. Besonders erfolgreich wurde sie mit Darbietungen von Chansons, gesungen im Berliner Dialekt.

Clara Jaschke
1850er Jahre – 1912. Eine der ersten Eisenbahnerinnen Deutschlands und Feministin. Erkämpfte ihre Einstellung als Beamtin.

Elisabeth Abegg
1882 – 1974,  Pädagogin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Versteckte Juden und politisch Verfolgte, rettete etwa 80 Menschen.

Ella Trebe
1902 – 1943, Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Ermordet in Sachsenhausen.

Ellen Epstein
1898 – 1942. Pianistin. Gehörte in den 1920er Jahren zur musikalischen Avantgarde Berlin. Als Jüdin erhielt sie im Nationalsozialismus erst Auftrittsverbot und wurde 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.

Emma Herwegh
1817 – 1904, Schriftstellerin. Revolutionärin während der Erhebungen von 1848/49 in Frankreich und dem deutschsprachigen Raum und eine frühe Vorkämpferin der Frauenrechtsbewegung.

Erna Samuel
1895 – 1942/1943, Lehrerin an der jüdischen Schule in der Rykestraße. Ermordet in Auschwitz.

Golda Meir
1898 – 1978, Politikerin. 1969 bis 1974 Ministerpräsidentin von Israel.

Hedwig Porschütz
1900 – 1977, Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Rettete mehrere Jüdinnen und Juden vor der Deportation, u.a. auch Inge Deutschkron.

Hilda Geiringer
1893 – 1973, erste Privatdozentin in Deutschland für angewandte Mathematik.

Ilse Schaeffer
1899 – 1972, Bildhauerin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Ingeborg Drewitz
1923 – 1986, Schriftstellerin und Kämpferin für Menschenrechte.

Kaiserin Augusta
1811 – 1890, Kaiserin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Ehefrau von Kaiser Wilhelm I.

Katharina Paulus
1868 – 1935,  erste deutsche Fallschirmspringerin, Ballonfahrerin, Luftakrobatin und Erfinderin des zusammenlegbaren Fallschirms.

Klara Franke
1911 – 1995, Kiezmutter der Lehrter Straße.

Lisa Fittko
1909 – 2005, Schriftstellerin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Im Zweiten Weltkrieg Fluchthelferin in Frankreich und Spanien.

Lydia Rabinowitsch
1871 – 1935, Russisch-deutsche Mikrobiologin. Erhielt als erste Frau in Berlin den Professorentitel. Leiterin des Bakteriologischen Instituts am Krankenhaus Moabit, wurde auf Grund ihrer jüdischen Herkunft 1934 zwangspensioniert.

Mathilde Jacob
1873 – 1943, Übersetzerin und Stenotypistin. Sekretärin und enge Vertraute von Rosa Luxemburg. Ermordet im KZ Theresienstadt.

Minna Cauer
1841 – 1922,  Pädagogin, Journalistin, Aktivistin in der Frauenbewegung.

Rahel Hirsch
1870 – 1953, Ärztin. Als erste Frau in Preußen zur Professorin für Medizin ernannt.

Thusnelda
10 v. Chr. – 17, Ehefrau des Cheruskerfürsten Arminius.


Dieser Text ist aus dem Moabit-Buch, das im September 2021 erscheint.

 


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