15.6.: Stolpersteine für die Familie Teller

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt der Talmud, eines der bedeu­tendsten Schrift­werke des Juden­tums. Um dies zu verhin­dern, werden am Freitag, 15. Juni 2018 vor dem Haus Stephan­straße 17 Stol­per­steine für das Ehepaar Auguste und Isidor Teller verlegt, das im Holo­caust ermordet wurde. Die 86-jährige Enkelin Anita Blechová wird mit ihrer Tochter aus Brno (ehem. Brünn) in Tsche­chien anreisen. Orga­ni­siert hat das Daniela Mört aus der Nach­bar­schaft.
Auguste Teller wurde am 16.11.1871 in Gonsawa (heute Gasawa) bei Znin nahe Poznan in Polen geboren. Sie war verhei­ratet mit dem Reichs­bahner Isidor, geboren am 2.11.1868 in Witkowo bei Gnesen (heute Gniezo).
Beide wurden am 1. September 1942 mit dem 54. Alters­trans­port von Berlin nach There­si­en­stadt depor­tiert. Die meisten Depor­tierten dieses Trans­ports sind schon kurz nach ihrer Ankuft, am 12. September ermordet wurde. Auguste starb erst am 27. September, Isidor lebte noch bis zum 10. März 1944.

Das Ehepaar hatte vier Kinder:
Max Teller, geb. 7.2.1892 in Hohen­salza, verstorben 24.04.1966 in Sao Paulo/​Brasilien
Meta Teller, geb. 11.03.1902 in Hohen­salza, das Todes­datum ist nicht bekannt.
Beide sind 1936 nach Brasi­lien geflohen und haben dort in Sao Paulo gelebt.
Martin Teller (Zwil­lings­bruder von Meta), geb. 11.03.1902, starb bereits am 9.1.1935 während eines Pogroms.
Ruth Teller, verlobt, hat mit ihren Eltern in der Stephan­straße 17 gelebt. Über ihr Schicksal ist nichts weiter bekannt.

Doch den Nazis gelang es nicht, die gesamte Familie auszu­rotten.
Martin war mit Johanna, geb. Thiele verhei­ratet. Die gemein­samen Kinder Harry (geb. 1934) und Anita (geb. 1932) flohen nach der Ermor­dung ihres Vaters mit der Mutter und Erich Stein­heim nach Prag. Mit Erich hatte Johanna zwei weitere Kinder: Helga (geb. 1942 in Prag) und Egon (geb. 1936 in Prag, verstorben 1994 in Brno/​Brünn). Erich Stein­heim wurde 1942 nach There­si­en­stadt depor­tiert, danach verliert sich seine Spur. Johanna und Erich konnten nicht mehr heiraten. Auch Johanna wurde von der Gestapo nach There­si­en­stadt verschleppt in die “kleine Festung” und danach in andere Lager. Sie kam auf dem Todes­marsch von Ravens­brück im Früh­jahr 1945 ums Leben.
Harry und Anita lebten im Ghetto There­si­en­stadt und wurden nach der Befreiung zusammen mit ihrem Bruder Egon von dem eben­falls ehem. gefan­genen Ehepaar Martin Bréban und Fran­tiska Bréba­nova adop­tiert. Helga wurde von einem anderen Ehepaar adop­tiert und erhielt den Namen Ruzena. Es besteht Kontakt zu Helga, die Geschwister haben sich nach ca. zehn Jahren der Tren­nung wieder gefunden.
Anita Blechová (ehem. Bréba­nova) wird mit ihrer Tochter Jana zur Stol­per­stein-Verle­gung anreisen.
Vom Ehepaar Teller gibt es keine Fotos, keinen Nach­lass. Der Familie ist leider nichts geblieben.

Stol­per­stein­ver­le­gung:
Freitag, 15. Juni 2018
Ab ca. 10.30 Uhr
Stephanstr. 17


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